
Wandern auf Mallorca - Der Weg der Trockensteinmauern
60 km
3255 m
6 days
2/12/2026
Getrieben von fehlender Sonne in Zentraleuropa, machen sich meine Freundin und ich uns auf in die Sonne, um auf Mallorca den GR221 mit Zelt zu wandern.
Aufgrund der einfachen Logistik (bis auf den Anfang im Westen) und der vergleichsweise niedrigen Schwierigkeit ist der GR221 ein guter Einstieg in das Fernwandern, auch für weniger erfahrene Wanderer.
Was wir unterwegs erlebt haben und wie es uns gefallen hat, gibt's im Post. Los gehts!
JuliusTag 1: Ankommen
Nachdem wir einen Tag in Palma verbracht haben, um uns etwas an das Klima und die Kultur zu gewöhnen, waren wir heiß drauf die ersten Schritte zu machen.


Da wir nur etwa eine Woche zur Verfügung hatten und weil wir die ganze Route etwas entspannter angehen wollten, entschieden wir uns für einen Start von Es Capdella aus. Damit sparten wir uns den menschenleeren westlichen Teil der Route und den steilen Weg über den Puig de Galatzo. Gerade weil meine Freundin noch nicht super erfahren war, musste man es nicht schon direkt am ersten Tag übertreiben. Außerdem war es nicht ganz sicher, wie es um die Wasserversorgung steht. Entsprechend mit zwischen 4kg und 6kg Wasser bepackt, ziehen wir los. Kurz darauf sind wir schon aus dem Ort draußen. Sonne und Wind begrüßten uns und sollten uns auf die kommenden Tage einstimmen. Bald erreichen wir die Finca Publica Galatzo. Auch wenn diese gerade renoviert wird, begrüßten uns zwei nette Esel neben der Finca. Die kleine Umleitung fühlte sich an, wie eine kurze Tour durch einen Urwald. Man sei aber nicht getäuscht. Viel Wasser gab es hier nicht. Von der Wind und Sonne begleitet, liefen wir im Tal weiter, die Bergketten links und rechts langsam näherkommend. Heute waren neben uns einige andere Leute unterwegs. Bald schon fing auch der Anstieg an. Gemächlich schoben wir uns den steinigen Pfad herauf. Wind und Sonne ließen nicht nach. Nach einiger Zeit kamen wir zu einer Abzweigung. Der Weg rechts sah nicht gerade einladend aus, also entschieden wir, trotz des längeren Weges, den Berg im Uhrzeigersinn zu umrunden. Kurz darauf sehen wir zwei Ziegen, die hier oben ganz normal zu leben scheinen. Wusch... plötzlich sprang etwas aus dem Busch - eine junge Ziege die bis vor kurzem direkt neben dem Weg geschlafen hat. Die Ziege hat sich mindestens genauso erschreckt wie wir. Ziegen gehören auch klar zum täglichen Erscheinungsbild der Insel und sollten uns nahezu täglich über den Weg laufen.

Nachdem wir endlich oben angekommen waren, ging es direkt auch wieder abwärts. Neben Ziegen treffen wir hier auch auf Schafe, denen es in ihrer dicken Wolle ziemlich heiß sein musste. An der Coma d'en Vidal legten wir eine Snackpause ein. Und natürlich gab es hier eine perfekt platzierte Wasserquelle. Das konnten wir natürlich vorab nicht wissen, aber ärgerlich, gerade direkt nach dem Anstieg, der ohne Wasser sicher angenehmer gewesen wäre. Mittlerweile hatten wir auch einen fantastischen Ausblick auf das Meer. Mit Blick auf die im Meer endende Küste ging es mit der Abendsonne im Rücken noch ein paar (ziemlich steile) Schotterserpentinen herunter. Heute schafften wir es nicht mehr bis Estellencs. Das war okay. In der Planung hatte ich schon einen geeigneten Platz für unser Camp gesichtet. Wir bogen vom Hauptweg ab. Auch wenn die Beine schon schwer waren, bewegten wir uns noch ein paar Meter vorwärts. Offensichtlich waren wir nicht die ersten, die hier übernachteten. Einige verräterisch liegende Steine reihten sich links und rechts am Weg. Kurz darauf kamen wir ganz unerwartet an ein kleines Grillareal mit einem Köhlerplatz in der Mitte. Leicht bemoost und eben war es der perfekte Platz für das Zelt. Schnell aufgestellt, machten wir uns Essen - die gefriergetrockneten "Bratkartoffeln" waren nicht so der Brüller - putzten wir Zähne und fielen in unsere Schlafsäcke. Der Wind war immer noch da und die nicht ganz straff gespannte Seitenwand hörte sich so an, als ob eine Ziege an ihr kauen würde. Auch wenn das uns die Augen offen hielt, schliefen wir nach dem anstrengenden Tag schnell ein.


Tag 2: Mallorcanische Gastfreundschaft
Nachdem nachts der Wind etwas abgeflaut war, kam er morgens umso stärker zurück. Im Schatten der Bergkette hatten wir leider noch keine Sonne. Wir packten zusammen, frühstückten und machten uns wieder auf den Weg. Der nächste Stop war Estellencs, um Wasser aufzufüllen und ggf. etwas zu essen. Das Wetter schaute heute nicht so gut aus. Ziemlich bewölkt und zur Nacht waren Windböen und Regen angesagt. Die Küstenlandschaft war schön, auch wenn wir einen kurzen Abschnitt über die Landstraße liefen. Bald schon bogen wir nach dem Col de Pi auf die alte Straße Richtung Dorf ab und zwischen ein paar Bäumen eröffnete sich der Blick auf Estellencs.

Das Wetter hielt noch bis wir im Dorf ankommen. Mit Hoffnung auf etwas zum Essen, sahen wir ernüchternd, wie Bauarbeiter in das große Hotel im Ort mit Restaurant liefen. Der Nachteil, im Februar den Weg zu laufen. Hier fängt die Saison erst ab März an. (Zumindest in den kleinen Orten außerhalb von Palma.) Die Hoffnung fast aufgegeben und mittlerweile etwas kalt, fanden wir ein Micro-Café. Ein kleiner Raum mit Schiebetür, Küchenzeile und nicht mehr Platz als 5 m² bot uns etwas Wärme. Nach einem kurzen Plausch mit Einheimischen, Kaffee und Sandwichen sah die Welt schon wieder ganz anders aus!
Aufgrund der Wetterlage entschieden wir uns dafür, heute nicht draußen zu übernachten. Im Nachhinein war das Wetter in der Nacht nicht so dramatisch, aber heute war es uns doch lieber, dass wir heute irgendwo geschützt verbringen. Wir fanden ein Hotel in Banyalbufar. Dadurch wurde die Etappe relativ kurz, aber das war genau das Richtige für heute. Während wir im Stadthaus unser Geschäft verrichteten, gab es draußen einen kurzen Regenschauer. Kurz darauf ging es auch schon wieder weiter. Mit Olivenbäumen links und rechts des Weges liefen wir über einen kurzen Anstieg aus dem Tal heraus. Als wir Estellencs hinter uns gelassen haben, bogen wir in ein schönes Waldstück mit einem angenehmen Weg ein. Mit ein paar Höhenmeter mehr oder weniger zog sich der Pfad die Küste entlang. Auch bei Trailrunnern schien der Pfad beliebt zu sein.
Wenig später und nach ein paar Kuhweiden erreichten wir die Abzweigung Richtung Banyalbufar. Wäre das heute nicht unser Ziel gewesen, würde ich definitiv empfehlen, den Weg auf gleicher Höhe weiterzuverfolgen. Banyalbufar ist nicht so spannend und man spart sich einiges an Höhenmetern.

Kurz darauf verließen wir den Wald und entdeckten unsere erste Finca, nein wirklich schon ein Anwesen: "Es Rafal". Wir querten diese und folgten einem sehr steinigen und stufigen Weg bergab in Richtung Küste. Nach unzähligen Stufen öffnete sich der Wald wieder und wir blickten auf die ersten Häuser. Anscheinend machten hier auch alle Katzen der Insel Urlaub. Auf dem Weg zum Hotel liefen uns mindestens 3 über den Weg. Angekommen im Hotel Son Borguny lag unser Schlüssel auch schon bereit und bei 23° im Zimmer (Ja hier ist noch Winter), wurde uns schnell wieder warm. Ab ging es unter die Dusche und kurze Zeit später auch in das untenliegende Restaurant. Das Essen war wirklich super. Der Koch fokussiert sich darauf, mallorcanische Spezialitäten zu servieren. Darunter selbst gebackenes Brot mit Allioli, Gnocci mit mallorcanischem Speck und noch einem Crumble zum Abschluss. Das war doch mal ein schönes Dinner zum Valentinstag. Gesättigt, warm und trocken legten wir uns ins Bett.
Tag 3: Ein ganz normaler Spaziergang für die Spanier
Am Morgen ging die kulinarische Reise weiter. Selbstgebackenes Brot mit Olivenöl direkt aus Estellencs, wo wir gestern vorbeigelaufen waren. Begrüßt von einer Katze ging es erstmal die gestern "verlorenen" Höhenmeter wieder hoch. Auf dem Weg nach oben wurden wir von zwei Männern in Jeans überholt, während wir in unseren Merino-Wanderklamotten gemächlich die Höhenmeter hinter uns brachten.
Bald kamen wir auch auf einen der typischen Wege durch einen Steineichenwald, die den GR221 ausmachen. Nach einiger Zeit im Wald öffneten sich die Bäume wieder und links konnten wir die Küste sehen. Währenddessen kamen uns immer wieder Leute in Sneakern und Alltagskleidung entgegen. Das verstehen die mallorcanischen Menschen also als entspannten Wochenendspaziergang. Wir tauchten wieder in den Wald ein, um einige Zeit später auf eine Straße nahe Esporles zu treffen. Zu dieser Jahreszeit waren sehr viele Rennradfahrer auf Mallorca unterwegs. Es ist nicht schwierig zu verstehen warum, bei den fühlingshafen Temperaturen und schönen Bergpässen, die die belarische Insel zu bieten hat.


Als wir in Esporles ankamen, war es Mittag. Wir waren hungrig und folgten der Empfehlung der Hotelbesitzerin in eine Tapasbar im Ort zu gehen. Eine Katze vor der Tür schien das auch so zu meinen und huschte schnell ins Restaurant, als ich die Tür öffnete. Leider war sie ungebeten und musste das Lokal auf dem selben Weg wieder verlassen. Ein paar "Patatas Bravas" später machten wir in einem Café halt und füllten unsere Wasserreserven im anliegenden Supermarkt auf. Für den restlichen Tag stand ein langer Anstieg zum Coll de sa Basseta in Richtung Valdemossa an. Dieser zog sich etwas hin, aber mit der Nachmittagssonne im Rücken war es sehr angenehm. Zu unserer Linken ein kleiner Stadtteil, welcher mit Pools und großen Häusern sehr exklusiv aussah. Die Straße die wir hochliefen war in die Jahre gekommen. Spannend, dass hier trotzdem immer noch Häuser zu finden waren.

Der Blick auf die rückliegende Bergkette war in der Abendsonne ein herrlich. Wir machten uns langsam auf die Suche nach einem Lagerplatz. Hier oben gab es wieder einige Köhlerplätze. Wir fanden auch ein Lagerplatz direkt mit Blick auf die Bergkette. Der etwas schief hängende Ast darüber, ließ uns dann doch davon absehen, hier die Nacht zu verbringen. Nach ein bisschen Hin und Her fanden wir einen schönen, windgeschützten Platz auf der Landseite. Durch die Bäume hindurch konnten wir nach Einbruch der Dunkelheit die Lichter Palmas entdecken.
Tag 4: In die Knie
Am Morgen wurden wir durch leises Mähen und der darauf folgenden Ziegenschaar geweckt. Da wir gestern schon den Großteil des Anstiegs hinter uns gebracht haben, war die Strecke heute relativ kurz, aber nicht zwingend weniger anspruchsvoll. Wir liefen ein Stück über die Bergebene und stiegen durch eine Felsspalte ab zum nächsten Anstieg. Der Weg war schön, wirkte aber mit Zäunen bzw. Mauern links und rechts sehr künstlich. Der nächste Anstieg war etwas ausgesetzter und erinnerte an einen leichten Alpinweg. Mit dem zügigen Wind war das aber auch gar nicht ohne. Nun ging es die ganzen Höhenmeter von gestern wieder nach unten. Auch heute kamen uns viele Gruppen entgegen. Zwei davon drehten um, nachdem wir ihnen eröffneten, dass es bis zum Gipfel noch ein steiler, steiniger, langer Anstieg ist. Etwas kalt und erschöpft erreichten wir Valldemossa. Hier genossen wir nach einer Stärkung den mediteranen Flair und erkundeten ein wenig die Straßen. Dieser Ort war sehr touristisch und auch heute gut besucht. In den letzten Tagen hatte unser Gepäck unsere Knie und unser Gemüt etwas in Mitleidenschaft gezogen. Wir entschieden uns einen Tag Pause in Palma zu machen, um Kraft für die letzten Tage zu sammeln. Auf solchen Touren sollte man flexibel sein und gerade wenn die Erfahrungen und Kräfte der Gruppe unterschiedlich ausfallen, sollte man einen gesunden Mittelweg find. Außerdem funktioniert das auf Mallorca super, da alle Ecken der Insel gut mit dem Öffentlichen Nahverkehr erschlossen sind. Eine Stunde später waren wir also wieder in Palma... zum Glück... der Busfahrer hatte es wohl sehr eillig in den Feierabend zu kommen.

Tag 5: Hoch zum Cuber
Nach einer gemischten Hotelerfahrung in Palma, machten wir uns früh morgens auf nach Soller, um wieder in die Route einzusteigen. Auch die Gemüter waren etwas gemischt. Nach einem Supermarktstop, einem schnellen Espresso und der obligatorische Blick auf die für das Städtchen typische Tram starteten wir.


Anfangs noch von vielen Orangenbäumen umgeben, zeichnete sich schon bald die Route ab. Ein langgezogenes Tal zwischen zwei Bergketten tauchte in unser Sichtfeld. Und schon fing der stetige Anstieg Richtung Cuber an. Es war eine schöne Etappe. Links und rechts Olivenbäume und Steinmauern bis ins letzte Eck der Schlucht. Auf wieder einem der für den GR221 bekannten Wege mit viele Serpentinen passierten wir das Tal. Das "Aussteigerleben" auf den Olivenfarmen hier erschien im starken Kontrast zur Hektik in Soller.


Nach einiger Zeit und einer kurzen Mittagspause kamen wir oben an und konnten zwischen den Bergketten den Stausee sehen. Ein verlassenes Schaf lief besorgt neben uns her. Nach etwa 10 Minuten konnte es seine Herde aber wieder finden. Während wir unseren Weg weiter durch das Tal bahnten, konnten wir auch Ziegen, Esel und ein paar Pferde entdecken. Das Tal war ein schöner Gegensatz zu den Wäldern, der Küste und den steinigen Wegen der ersten Tage. An der Spitze des Sees legten wir eine Essenspause ein.
Nach dem ganzen Anstieg taten uns die Füße weh. Dennoch waren wir für heute noch nicht fertig. Entlang eines Viadukts ging es mit den letzten Sonnenstrahlen im Rücken zum Etappenziel: Font des Prat. Im Wald tauchten links und rechts wieder die bekannten Köhlerplätze auf. Einige Wanderer überholten uns noch auf ihrem Weg zu Tossals Verds. An der Quelle angekommen, füllten wir unsere Wasserreserven auf. Leider hatten sich hier schon andere Wanderer für die Nacht niedergelassen. Somit gingen wir einen kleinen Teil zurück und richteten uns für die Nacht ein.


Tag 6: Finale
Der letzte Tag hielt nochmal einige Schmankerl für uns bereit, die alle Aspekte zusammenfasste, für die der GR221 bekannt ist.


Ein letzes Mal ging es für uns aufwärts Richtung Col des Prat. Der Weg glich eher einem Flussbett als einem Weg. Im Schatten des Massanella legten wir unsere letzten Höhenmeter zurück. Auch ein paar Ziegen begleiteten uns wieder ein Stück den Berg hinauf. Langsam öffnete sich das Tal. Im WInd und ohne Sonne wurde uns schon etwas kalt und mit dem ganzen Gepäck war der letzte Aufstieg auch nicht weniger anstrengend. Oben angekommen wurden wir mit Sonne und einem wunderschönen Ausblick über die Ostküste Mallorcas belohnt.

Wir verweilten ein bisschen und begannen unseren Abstieg Richtung Lluc. Die Gegend schien sehr beliebt zu sein. Auf den Wegen herrschte massig Verkehr. Nach einem letzten Anstieg über die über die nächste Bergkette bogen wir auf unsren letzten typischen Steinweg ab, der Lluc mit dem Casa de neu d'en Galileu verbindet. Entspannt schlängelten wir uns über die Serpentinen hinab in den Wald.


Nach einer Stunde erreichten wir den Endpunkt unserer Reise: Das Kloster Lluc. Die Nacht wollten wir dort verbringen. Nach dem Check-In erkundeten wir das Kloster mit einem netten Kaffee (mit Tiefkühlpizza), botanischem Garten und eigener Schule. Lustigerweise trafen wir wieder auf die zwei deutschen Wanderer, die am ersten Tag mit uns aus dem Bus gestiegen sind. Nach einem kurzen Plausch waren wir dann auch bereit für das Abendessen.
Der Gr221 ist auf jeden Fall ein einfacher, lohnenswerter und schöner Fernwanderweg. Gerade in der Frühjahrssaison und wenn kein Schnee mehr liegt, bietet Mallorca wunderschöne Landschaften und ein mildes Klima.
Die Logistik macht den GR221 zu einem gut bewältigbaren Wanderweg. Bis auf den ersten Teil im Westen gibt es täglich eine Stadt mit Unterkünften, zumindest einem kleinen Markt und Busanbindung, selbst im Februar. Auch Wasser ist meist kein Problem, da ein paar Quellen oder Nachfüllmöglichkeiten entlang des Weges liegen. Ggf. sollte man aber einen Wasserfilter einpacken, da überall Ziegen und Schafe verkehren und man deren Hinterlassenschaften nicht unbedingt im Wasser haben möchte.



































