
Garmin Inreach Mini 2 Langzeit Erfahrungsbericht
Früher oder später führen jedermanns Abenteuer in immer abgelegenere Gebiete. (Oder manchmal auf das Feld nebenan.) Dennoch soll es möglich sein Hilfe zu holen und sich mit seinen Liebsten auszutauschen. Genau dafür gibt es Satellitenkommunikatoren wie das Garmin Inreach 2 Mini. Dieses benutze ich seit zwei Jahren regelmäßig auf meinen Touren.
Im Artikel gebe ich einen kurzen Geräteüberblick lege den Fokus aber auf meine Erfahrungen und meine Gedanken für wen ein solches Gerät nützlich und sinnvoll sein kann. Los gehts!
Nachtrag 02.07.25 Entweder habe ich es beim Erstellen übersehen oder es wurde nochmals geändert. Die Freedom Tarife können immer noch kostenfrei bis zu einem Jahr ausgesetzt werden. Außerdem gibt es nun ein Pay-As-You-Go Tarif (Inreach Enabled) in welchen sich der Vertrag nach einem Jahr automatisch umwandelt, wobei die ersten zwei Monate keine Gebühren anfallen. Ob man den Vertrag dann wieder pausieren kann ist mir aus den Unterlagen nicht ersichtlich. So wie es aussieht verringert sich dann hierdurch die Jahresgebühr ggf. auf 25€, da man bei erneuter Nutzung das Gerät aktivieren muss.
Übersicht
Das Garmin Inreach Mini 2 ist ein kompaktes zwei-Wege Satellitenkommunikationsgerät von Garmin. (Was für ein Zungenbrecher). Die 2 steht hierbei für die zweite Version, eine Modellpflege mit einigen Verbesserungen, wie verbesserte Akkulaufzeit, einen besseren Bildschirm, einfache Navigationsfunktionen und einen USB-C Anschluss. Außerdem unterstützt nur das Mini 2 die neuere (und vermutlich länger unterstützte) Explore App. Beide Versionen nutzen das IRIDIUM-Netzwerk. Prinzipiell sind alle Funktionen über das Gerät verfügbar. Für das komfortablere Schreiben von Nachrichten und Kartenansicht, sowie die Übertragung von Routen kann die Handyapp verwendet werden. Diese hat auf kürzlich ein größeres Update mit u.a. neuer Kartenansicht erhalten.
Die primäre Funktion ist die Notruffunktion. Die Klappe geöffnet und den dedizierten SOS-Knopf gedrückt, startet ein Timer nach welchem der Notruf abgesetzt wird. Da es sich um ein zwei-Wege System handelt können hier auf Nachfragen beantwortet werden. Wie auch für die anderen Funktionen ist ein aktives Abonnement zwingend notwendig. Die sekundären Funktionen sind das Tracking und Messaging. Je nach Tarif können in bestimmten Zeitintervallen Wegpunkte an ein Webportal gesendet werden, auf welches per Link zugegriffen werden kann. Nachrichten können an beliebige Telefonnummern oder andere Inreach geräte gesendet werden. Außerdem gibt es noch abrufbare Wetterinformationen. Dann gibt es einfache Navigationsfunktionen, wie Linienverfolgung, Kompass und Koordinaten/Höhenanzeige.


Kosten und Tarife
Die Anschaffungskosten für das Gerät betragen aktuell etwa 290€ Dazu kommen zwingend einen aktiven Tarif. Leider wurden diese kürzlich umgestellt. Die Kosten sind eine Aktivierungsgebühr (50€) und eine monatliche Gebühr zwischen 18€ und 60€ -> Tarife. Die günstigeren Tarife enthalten eine Gebühr für JEDEN! Trackingpunkt, was bei 20 Minuten Abständen schon ins Geld gehen kann. Es gibt auch Drittanbieter (ProteGear) mit der Tarifstruktur der alten Tarife (pausierbar). Es handelt sich um ein deutsches Unternehmen. Ich hatte noch keine Zeit diese auszuprobieren. Für mich vielen für zwei bis drei Monate in der Sommersaison also immer etwa 160€ an. Die Verwendung ist also nicht gerade günstig. In Relation gesetzt finde ich es aber sehr bemerkenswert, dass so eine Technologie für Endverbraucher als nicht gewerbliche Nutzer verfügbar ist und nicht Organisationen oder Unternehmen vorenthalten wird. Danach ist der Preis schon wieder etwas überschaubarer.
Warum das Garmin Inreach und Alternativen
Oberhalb dem Inreach Mini ist der Garmin Messenger Plus angesiedelt, welcher zusätzlich noch Sprachnachrichten und Fotonachrichten unterstützt. Da alle Tarife diese enthalten zielt Garmin vermutlich auf diese Gerätekategorie ab, da diese für die Mini Geräte nicht verwendbar sind. Im Markt gibt es neben den Garmingeräten noch weitere mit ähnlichem Funktionsumfang. Populär sind die Geräte von Spot (Gen 4). Dieses besitzt aber nur one way Kommunikation und kein Bildschirm etc., ist aber auch nur halb so teuer wie das Inreach. Allgemein sehen die Tarife etwas günstiger aus. Ein Plus von den Garmingeräten ist, dass sie einwandfrei ins Garminökosystem eingebunden sind. So kann das Inreach mit meinem Edge gekoppelt werden und darüber gesteuert werden. Vermutlich habe ich mich auch etwas vom Garminmarketing leiten lassen. Garmin hat sich in diesem Markt auch sehr zentral positioniert. Mit der Übernahme von Delrome (dem ursprünglichen Hersteller vom Inreach) und dem IERCC (Rescue coordination center) hat Garmin sich eine starke Stellung gesichert. Ich hatte mir das Inreach damals für einen Trip in abgelegenen Berggebieten angeschafft. Meine Vorstellung war, dass das Garmin "einfach funktioniert" und bis jetzt hat es mich auch noch nie enttäuscht und war ein zuverlässiger Begleiter, welcher stumm seinen Zweck erfüllt. Mittlerweile gibt es aber eine wesentliche Konkurrenz zu den dedizierten Kommunikatoren. Mit den neueren Iphonemodellen und nun auch neueren Pixel, sowie S Geräten bringen viele Smartphonehersteller die Satellitenkommunikation auf das Smartphone. Diese ist meist nur zwei Jahre kostenlos und benötigt dann ein Abonnement. Da aber aktuelle Entwicklungen der Handynetze dazu tendieren die standardisierte NTN zu integrieren, wird es hier in Zukunft sehr wahrscheinlich noch weitere Modelle geben. Würde ich mir das Inreach heute also nochmal kaufen? Vermutlich ja, wobei für mich persönlich der Funktionunmfang der Spot Geräte vermutlich passender ist. Das Messaging war für mich bis jetzt meist eher eine Spielerei als ein wirklicher Mehrwert.

Warum und wofür habe ich es bis jetzt genutzt?
Ich würde mich als "durchschnittlichen Outdoor User" beschreiben. Sprich, ich mache im Jahr mehrere kürzere und meist eine längere Tour im Jahr im Inland, sowie im Ausland. Für Inlandstouren und in "Zentraleuropa" würde ich sagen ist das Inreach absolut nicht notwendig, da überal Mobilfunkempfang vorhanden ist. (Vorausgesetzt man hat eine Datenoption, welche man aber vermutlich sowieso immer hat.) So ist ein solches Gerät vermutlich wesentlich attraktiver für Nutzer in den USA oder Neuseeland, etc. Beispielsweise hatte ich auf meiner 3-wöchigen Georgienreise 2 Abende keinen Handyempfang. Wir waren aber auch nicht weit weg von einem Gebiet mit Handyempfang. Für nicht zu abgelegene Gebiete wie Georgien: Die Erfahrung hat gezeigt, dass Menschen immer sehr hilfsbereit sind, sollte doch mal etwas schief gehen. Außerdem bin ich meist mindestens zu zweit unterwegs, sodass jemand Hilfe holen kann.
Ein weitere Aspekt, welches gegen das Inreach spricht, sind die Kosten. Es ist unglaublich teuer. Die Anschaffung und vor allem auch die Tarife ohne die man nur einen sehr teuren Briefbeschwerer hat. Ein wichtiger Hinweis ist ebenfalls, dass die Nutzung nicht in allen Ländern ohne Weiteres gestattet ist. Z.B. in Russland, China benötigt man eine Erlaubnis. In manchen Ländern ist eine Nutzung Illegal oder durch die USA untersagt. Es bleibt dem Leser zu überprüfen ob das im persönlichen Fall zutrifft. Zur Performance: Bei schlechtem Wetter (regen, starke Bewölkung) ist der Akkuverbrauch hoch und die Kommunikation eingeschränkt oder funktioniert ggf. gar nicht.

Neben den Nachteilen gibt es aber auch einige Vorteile. Das Gerät mit always on Tracking und "Set and Forget" ist sehr komfortabel. Ich schalte es morgens an und abends wieder aus und ich weiß, dass mein Track nachverfolgbar ist, unabhängig vom Handyempfang. Der Akku hält für mich immer etwa eine Woche. Es gibt auch ein Live Tracking, welches für manche Anwendungen ggf. relevant ist (z.B. für Rennen o.ä.). Damit einher kommt natürlich, dass die Kommunikation jederzeit möglich ist. Und zwar beliebige Nachrichten, ohne vorgegebene Texts oder Inhalte. Die "Checkin"-Nachrichten sind zwar günstiger, aber für spezielle Situationen ist das natürlich super. Auch bietet die Nutzung ein gewisses Sicherheitsgefühl. Gerade bei Alleinreisen ist es doch gut, dass einerseits mein Weg nachvollziehbar ist, als auch eine Backupoption immer dabei zu haben, sollte doch mal was passieren. Dazu kommt, dass man durch die Geräte auch einen Kontakt zu einem Koordinationscenter hat, welche ggf. mit der Abstimmung und den Sprachbarrieren helfen können. Da ich das SOS bis jetzt aber noch nie gebruacht habe, kann ich hierüber keine weiteren Aussagen machen. Am Ende ist es eine persönliche und finanzielle Entscheidung, ob es das Plus an Sicherheit wert ist.