
Vogesen Querung - TMV
409 km
4500 m
7 days
5/22/2023
Wenig Zeit, keine Lust auf lange Anreise – warum also nicht da anknüpfen, wo’s zuletzt schon gut war? Nach der GTJ im Jura zieht es uns diesmal in die Vogesen. Im Frühjahr 2023 fahren wir die Traversée du Massif Vosgien bzw. TMV – eine Strecke mit ordentlich Höhenmetern, feinen Ausblicken und überraschend viel Abwechslung – genau das Richtige für unsere kompakte Tour für zwischendurch.
JuliusTag 1: Zwischen Himmel und Hölle
Der Tag beginnt in Karlsruhe – bestes Wetter, aber in der Stadt ist es kaum auszuhalten. Es ist drückend heiß, die Luft steht. Wir lassen den Trubel schnell hinter uns und steuern direkt auf dunkle Wolken zu. In der Ferne grollt es, und während wir Richtung Südwesten rollen, zucken Blitze am Horizont. Das Gewitter scheint auf uns zu warten. Ein paar Abschnitte kenne ich schon von früher, diesmal sind wir aber in anderer Richtung unterwegs. Die für die Region typischen, schnurgeraden Straßen ziehen sich endlos. Perfekt, um einfach mal laufen zu lassen. Kette rechts, Gedanken aus. Immer wieder nieselt es leicht – nicht unangenehm, eher eine willkommene Abkühlung. Trotzdem bleibt es warm, fast schwül. Wir kommen der französischen Grenze näher und landen in einem kleinen Ort, wie man ihn sich für diese Region vorstellt: ruhig, ein bisschen verschlafen, charmant. Zeit für eine Eispause unter dem Sonnenschirm. Während wir löffeln, zieht das Gewitter über uns hinweg. Hinter dem Ort geht es in ein französisches Waldgebiet. Die Hitze bleibt und es mischt sich Nebel dazu – die feuchte Luft steht zwischen den Bäumen, es riecht nach Regen und Laub - wie in einer Sauna. Immer wieder tauchen kleine Burgen oder Ruinen am Rand auf.

Am Abend schlagen wir unser Lager auf der Hohenbourg auf. Der Regen hat sich verzogen, die Wolken reißen auf, und die Sonne taucht den Wald in ein warmes, weiches Licht. Weitblick, Ruhe, Zufriedenheit. Ein stimmungsvoller Start.


Tag 2: Es geht weiter
Der Tag beginnt mit dem Wetter, das wir uns für den Rest der Tour nur wünschen können: trocken, heiß, manchmal leichter Wind. Die erste Abfahrt ist direkt ein kleines Abenteuer. Steil, rutschig, ein bisschen rumpelig. Unten angekommen, sehen wir ein kleines Schloss, verrichten unser Geschäft und füllen unsere Wasservorräte auf. Kurz danach der erste Platten der Tour. Ein Durchschlag, schnell entdeckt. Zum Glück helfen die „Würstel“ zuverlässig – weiter geht’s. Wir werfen noch einen Blick auf einen möglichen Unterschlupf, welchen wir gestern eingeplant hatten. Ganz okay, aber die Burg war schöner. Und wie sich herausstellt, lag noch ein ganzes Stück dazwischen.

Unser Weg führt uns zum Supermarkt um unsere Vorräte aufzufüllen. Dann verschwinden wir wieder in der Berglandschaft. Ziel: Ein kleiner Gipfel, wo wir die Nacht verbringen wollen. Oben angekommen, schwirren erst einmal unzählige Käfer um uns herum. Nervig, aber mit abnehmender Sonne wird es besser. Die Aussicht entschädigt: goldene Stunde, klare Luft, Ruhe. Auch wenn uns das Gas zum kochen ausgeht - wir genießen den Sonnenuntergang.
Tag 3: Gas auffüllen
Der Morgen startet entspannt. Die Sonne scheint, die Luft ist mild – bis plötzlich Bewegung über uns aufkommt. Die Käfer, die sich offenbar über Nacht in den Baumkronen versammelt haben, lassen sich einer nach dem anderen fallen. Es regnet förmlich Insekten. Lange halten wir’s nicht aus und brechen schnell auf.

Wieder auf der Strecke rollen wir locker Richtung Saverne. Die Route entlang des Kanals ist landschaftlich ein Highlight – nachdem wir es auf die richtige Seite geschafft haben. Wir lassen es auf dem flachen Weg gut laufen. Vielleicht etwas zu sehr: In einem Moment der Unachtsamkeit lege ich mich auf den Asphalt. Nichts Wildes, nur eine aufgeschürfte Stelle am Bein – trotzdem unnötig. In Saverne legen wir eine längere Pause ein und essen. Auch die Zecken haben uns schon gefunden. Mein Kumpel hat eine direkt am Hals und lässt Sie erstmal in einer Apotheke entfernen. Auch statten wir uns mit Proviant und neuem Gas aus. Zum Schluss geht’s nochmal bergauf. Bei bestem Wetter erreichen wir einen kleinen Unterstand, perfekt gelegen und ruhig. Feuer gibt's heute leider nicht, der schöne Platz lässt uns das aber verschmerzen.
Tag 4: Auf Umwegen
Wegen unserer Platzwahl starten wir heute etwas abseits der eigentlichen Route – dafür mit einem unterhaltsamen Singletrail direkt zum Einstieg. Doch der Spaß hält nicht lange. Vor uns türmt sich ein „Radweg“ auf, der eher an ein Flussbett erinnert. Zu steil zum Schieben. Bleibt nur: Rad auf den Rücken und hoch da.

Kurz darauf nehmen wir einen Abzweig nach rechts – der sich bald als Sackgasse entpuppt. Der Weg verliert sich im Nichts. Immerhin: die Aussicht ist großartig. Trotzdem müssen wir alles wieder zurück.

Später am Tag folgt der Anstieg nach Grendelbruch. Anstrengend, aber belohnt mit einem weiten Blick ins Tal – einer der schönsten Momente der letzten Tage. Zum Schluss geht’s wieder aufwärts zum Neuntelstein. Dort finden wir einen ruhigen Biwakplatz mit schöner Aussicht. Weniger Strecke heute, mehr Erlebnis.


Tag 5: Das Biwak
Nach einer ruhigen Nacht geht’s weiter Richtung Ortenbourg – die Ruine thront eindrucksvoll über den Weinbergen. Eine kurze Pause hier ist das allemal wert! Wir machen einen kurzen Abstecher ins Tal zum einzigen Minisupermarkt weit und breit. Dort treffen wir auf einen niederländischen Radreisenden – geschieden, jetzt auf Tour. Der Austausch ist kurz, aber interessant. Wir verabschieden uns, da wir deutlich schneller unterwegs sind als unser zigarettenrauchender Weggefährte. Die Hitze nimmt zu, also legen wir eine Eispause ein, bevor der nächste Anstieg ruft. Widerwillig schwingen wir uns wieder aufs Rad. Das wird noch ein langer Anstieg. Insgesamt dauert der Anstieg mehrere Stunden und bringt uns an unsere Kraftgrenzen. Oben erwartet uns ein kleines, uriges Biwak – einfach, aber perfekt gelegen. Bereits drei andere sind da: zwei Wanderpartner und eine dritte Person, die sich bald zurückzieht. So ein Hüttchen mitten im Wald, offen und gut gepflegt – in Deutschland kaum vorstellbar. Umso schöner, dass es hier einfach funktioniert.

Tag 6: Seehopping & der finale Anstieg
Der Morgen beginnt gesellig – wir tratschen mit den anderen am Biwak, kommen erst spät in die Gänge. Währenddessen werkelt ein Bautrupp an einer neuen Grillstelle direkt neben der Hütte. Sie sind sehr stolz und es ist wirklich cool, dass sie das sogar am Sonntagmorgen! machen. Bald öffnet sich die Landschaft ein wenig, Wälder weichen freierem Blick. Der Tag ist geprägt von viel Straße, aber immer wieder gibt es kleine Abstecher auf schmale, ruhigere Wege. Zwischendurch ein Essensstopp an einem Hotel beim Bikepark. Dann beginnt das Seehopping: Erst kommen wir zum Lac Blanc. Leider ziemlich überlaufen. Wir treffen unseren Freund aus dem Biwak wieder. Er ist einfach mal schon entspannte 30km gelaufen. Wahnsinn!

Dann geht es weiter zum Lac Noir. Die beiden bilden einen Verbund eines Wasserwerkes. Interessant in einer sonst so abgelegenen Gegend.

Zum Abschluss noch einen Abstecher zum Lac Vert. Wir wollten baden, aber immer noch zu viel los hier. Es geht also weiter. Zum Abend hin erwartet uns dann noch das "große Finale". Erstmal gibt es noch eine längere Abfahrt. Anschließen arbeiten wir uns, dem Abend entgegen, das Tal entlang.

Dann aber kommt es auf uns zu: ein Anstieg, bekannt aus der Tour de France. Lang, fordernd, aber mit jedem Meter auch lohnender. Sogar ein paar Kinder feuern uns an. Mit Metalcore auf den Ohren werden unerbittlich Höhenmeter gemacht. Oben angekommen wird das Zelt aufgebaut. Wir sind nicht die einzigen hier. Es wird aber schon dunkel und wir fallen in unseren wohl verdienten Schlaf.

Tag 7: Körperlicher Verfall und Singletrails
Der letzte Tag beginnt mit den ersten echten Verfallserscheinungen. Mein Kumpel mit Fieber, bei mir, die Haut von Salz und Schweiß wund gescheuert. Trotzdem: Es warten noch ein paar letzte Abfahrten, gespickt mit ordentlich Singletrail. Für mich ein Genuss, für meinen Kumpel eher weniger. Zwischendurch steht kurz das Angebot im Raum, mit dem Zug zurückzufahren. Aber die letzte Etappe will er sich dann doch nicht nehmen lassen – verständlich. Also drücken wir nochmal aufs Tempo und fahren in einem Rutsch Richtung Mulhouse. Kurz vor Schluss fast noch ein Abzweig auf die Autobahn – einfach so ohne Vorwarnung. Der daraus resultierende Umweg ist nicht ohne, kostet Zeit und Nerven. Trotzdem schaffen wir’s rechtzeitig zum Bahnhof, setzen uns direkt in den Zug – zum Leidwesen aller Mitreisenden. Eine abwechslungsreiche letzte Etappe, die nochmal zeigt, was die Vogesen so besonders macht.

- Ob Käfer oder Zecken, sie werden euch hier zuhauf begegnen

Dicke Luft.

Ein gelungener Abend.

Burgbiwak.

Auch eine Radkirche gibts.

Hier hausen die Käfer.

"Radweg" ...

Gut zugehört?

Neuntelstein.

Mit guter Aussicht!

Das Auto kann man ignorieren...

Ja da waren viele Menschen.

Einmal mit mir.

Und einmal ohne.

Durchs Dorf.

Am Ziel.

Und wieder Richtung Heimat