Trailcrumbs Logo
Velebit - Pass Richtung Velebit

Die Wiederkehr zum Velebit

244 km

3300 m

5 days

7/21/2025

Nachdem mich ein Planungsfehler in der Wasserversorgung mich bei der letzten Bikepackingtour nach Kroatien dazu zwang den Velebit Park Richtung der Küste zu umfahren, wollte ich dies nachholen und fand mich, einen Tag später als eigentlich geplant, im FlixBus auf dem Weg nach Kroatien. Los gehts!

Eintauchen in die kroatische Kultur

Angekommen in Zagreb. Beim Aussteigen stellte ich fest, dass das Bike unten gar nicht fest gemacht wurde. Zum Glück war es überhaupt noch da! Nach einer kurzen Stärkung ging es weiter. Ich nahm einen kleinen Zug. Die Dörfer wurden immer kleiner, die Bahnsteige waren nicht existent, die Landschaft hügeliger. Ich stieg im Nichts aus, an einem kleinen Bahnhofsgebäude mit lediglich ein bisschen Kies als "Bahnsteig". Ich machte mich bereit. Ich hatte wirklich Lust die Tour zu starten. Der Start war entspannt, über eine Landstraße. Autos aus verschiedenen Ländern überholten mich. Sonnig, leichter Wind – ein schöner Tag, um die Tour zu beginnen. Der spontane Start ließ wenig Raum für detaillierte Tourenplanung. Zuerst ging es in den Anstieg, der die Aufgabe des ersten Tages darstellen sollte.

Velebit - Bikeübersicht
Velebit - Passtraße nach oben

Langsam schob ich mich die Hügelkette hoch. Schnell stellte ich jedoch fest: So fit wie letztes mal bin ich radtechnisch sicher nicht mehr. Relativ schnell ging mir die Puste aus, selbst die Musik half nach 1,5 h nicht mehr. Abwechselnd Schieben und Fahren brachte mich weiter. Die Kroaten hupten mir zu, um mich anzufeuern. Nach einer langen Zeit und ein paar Pausen kam ich schließlich bei Kapela auf 888 Meter an. Und das hat sich auch wirklich gelohnt. Die Abfahrt in der Abendsonne fühlt sich super an. In der Ferne sehe ich die nächste Hügelkette.

Velebit - Kapela 888
Velebit - Schafe im Sonnenuntergang
Velebit - Bergkette

Unten im Tal machte ich eine „Colapause“ in einer Bar, um mich eventuell noch mit Zucker zu pushen – vergebens. Meine Energie für heute war leer. Dennoch musste ich einen Schlafplatz finden. Von jedem Grundstück aus bellten mir Hunde zu. Na super. Nichts, was mir Angst machte, aber auch nichts, das ich jetzt noch groß brauchen konnte. Natürlich fand ich dann noch den lokalen Schrottplatz, wo vermutlich jeder Streunerhund im Umkreis von fünf Kilometern hauste, und wurde bei der Durchfahrt von mindestens zehn Hunden begrüßt. Nichts Gefährliches, aber hier durchzufahren war dann wohl doch nichts. Zum Glück verlor die Meute schnell das Interesse und folgte lieber einem entgegenkommenden Traktor. Die Chance ergreifend fuhr ich schnell Richtung Hauptstraße und verließ den Ort ohne Begleiter im Schlepptau. Dann ging es noch ein kleines Stück den Berg hinauf, wo ich nach kurzer Suche ein kleines Plätzchen auf einem Feld neben der Straße fand.

Weiter Richtung Velebit

Der nächste Tag startete mit einem Gefühl der Erschöpfung. Dicke Wolken hingen am Himmel, zum Glück blieb der stärkere Regen aus. Ob das so bleibt?

Velebit - Dicke Wolken

Nach einigen Startschwierigkeiten ging es weiter Richtung Velebit. Ich wich von meiner ursprünglich geplanten Route ab, da ich wesentlich weniger Strecke zurücklegt hatte als erwartet und zudem auf Wassernachschub angewiesen war. Den Vormittag verbrachte ich im Tal südwärts fahrend. Für einen guten Start in den Morgen hielt ich natürlich auch für ein kühles Getränk und später einen Cappuccino an – ganz wie es die Kroaten pflegen. Nach einem kleinen Anstieg, der sich riesig anfühlte, gab es ein ausgiebiges Mittagessen. Nicht nur bei mir scheint dieses Restaurant beliebt zu sein. Urlauber aus den verschiedensten Ländern kommen hier zusammen. Nebenbei suchte ich einen Ort, um der Mittagshitze zu entkommen.

Velebit - Riesenbaum

Der Fluss der nicht mehr da ist

Entlang meines Weges nach Krasno fand ich auf Maps einen kleinen Ort mit wunderschönen Wasserfällen – ein Bad dort klang verlockend. Nach kurzer Recherche stellte sich heraus, dass der Gacka‑Fluss eher eine Halluzination der Hitze ist. Diese Wasserfälle gibt es schon lange nicht mehr. Nur in seltenen Fällen fließt dort noch Wasser. In den 80er‑Jahren wurde der Gacka‑Fluss umfunktioniert, um als Zufluss für das Wasserkraftwerk in Senj zu dienen. Das gesamte Wasser wird durch einen Tunnel dorthin geleitet. Ich war beeindruckt und zugleich etwas traurig. Ein trockenes Flussbett weist hier noch auf den ehemaligen Fluss hin – ein Beispiel dafür, wie der Mensch Einfluss auf seine Umwelt nimmt.

Velebit - Gacka

Trotzdem fand ich in einem kleinen Örtchen ein schattiges Plätzchen und machte mit einer kalten Cola in der Hand ein kurzes Nickerchen. Man könnte denken, dass es auf dieser Tour nur um Pausen geht – das ist jedoch nur teilweise wahr. Ich wollte die Tour sowieso etwas entspannter angehen, ein paar mehr Fotos machen und meine Kondition ließ sowieso nicht viel mehr zu. Weiter ging es über die nächste Hügelkette.

Velebit - Pass Richtung Velebit

Zwei Stunden schob ich mich hinüber, begleitet von grüner Landschaft und frischem Wind, bis ich schließlich nach Krasno kam. Nach einem Abendessen am Velebit‑Haus war es verlockend, hinter dem Friedhof zu zelten. Die Hunde der Einwohner waren damit aber nicht einverstanden und obwohl ich nur noch ins Zelt wollte, musste ich ein Stück aus der Siedlung herausfahren. An einem Schotterweg am Straßenrand fand ich dann ein geeignetes Plätzchen – zwar immer noch schief, aber ausreichend für die Nacht.

Velebit - Krasno in der Abendsonne

Endlich da. Der Velebit Park

Der Morgen begann mit einem kurzen Stopp am Supermarkt. Eine Waffel und Cola später war es nun endlich soweit, sich zum Eingang des Nationalparks vorzuarbeiten.

Velebit - Katze

Den Morgen verbrachte ich also mit den „Drei Fragezeichen“ im Ohr und fuhr mich den Anstieg hinauf. Am Eingang hielt ich einen kurzen Plausch mit dem Verkäufer – ein Student, der hier in der Sommerzeit ein bisschen Geld verdient.

Velebit - Schotterweg

Der Nationalpark wirkt nicht ganz naturnah - bis zur ersten Hütte kann man ihn mit dem Auto befahren. Das hieß für mich aber, dass die Straße nur eine geringe Steigung aufwies. Oben eröffnet sich zum ersten Mal der Blick auf die langgezogene Küste Kroatiens – ein schöner Anblick. Ich fieberte einer warmen Mahlzeit entgegen, doch ich wurde enttäuscht: eine Cola musste für meinen Hunger reichen. Auch das Nachfüllen von Wasser war nicht einfach, sodass ich später unbedingt noch eine Quelle ansteuern musste.

Velebit - Küstenblick

Ich wollte den Nationalpark wieder verlassen, weil das Zelten dort absolut verboten ist und weil ich Begegnungen mit den „Bewohnern des Waldes“ vermeiden wollte. So machte ich mich an die Abfahrt zwischen den schönen Bergen des Velebit‑Parks. Links und rechts des Weges lagen schöne Wiesen, die Stimmung war allgemein angenehm. Der Weg zog sich weiter über eine einsame Straße mitten durch den Wald, bis ich an einer kleinen Lichtung ankam. Eine Quelle sprudelte aus dem Boden. Das Wasser war eiskalt – perfekt zum Waschen. Ich fühlte mich wie neugeboren, nachdem ich seit zwei Tagen nicht geduscht hatte. Einige Bänke und eine gepflegte Rasenfläche luden zum Verweilen ein. Zeit für das Abendessen! Ich hatte keine Lust mehr auf Trekkingnahrung und die Sonne ging bereits unter. Statt weiter dem Weg durch den Park zu folgen, fuhr ich mit der nächsten Querstraße aus dem Park heraus, um noch einen passenden Schlafplatz zu finden.

Velebit - Hütte im Nationalpark
Velebit - Quelle im Wald

Doch meine Kräfte waren bereits stark erschöpft, sodass ich die letzten Meter schieben musste. Ich fand einen kleinen Forstweg mit offener Fläche nahe der Straße. Obwohl ich hier ziemlich exponiert war, bot er sich gut als Lagerplatz an. In der Nacht hörte ich viele Wildschweine unweit von mir ihr Unwesen treiben – das störte mich nicht weiter. Generell dachte ich bei den schönen Forststraßen im Park: Hier möchte ich noch einmal mit dem Gravel‑Bike zurückkehren.

Velebit - Schöne Wiese

Ab nach Gospic

Am nächsten Morgen wurde ich von Motorsägen geweckt. In der Ferne schienen einige Leute schon sehr fleißig zu sein. Dann ging es talabwärts auf einer scheinbar endlosen Abfahrt. Ich musste trotzdem vorsichtig sein – mindestens zehn LKWs kamen mir unangekündigt entgegen. Das Ausweichen auf dieser kleinen Straße war nicht einfach, aber alles ging gut, und ich belohnte mich mit einem Kaffee. So taten es auch die Fahrer der LKWs. Ohne die Bäume wurde es bereits unerträglich warm. Ein leichter Gegenwind half wenig. Die Aussicht auf ein Apartment mit Klimaanlage ließ mich weiterfahren. In der brennenden Mittagssonne fuhr ich die geraden Straßen entlang, bis Gospic nicht mehr weit entfernt war. Dort endete meine Tour zum letzten Mal. Ich hatte es also doch noch geschafft! Doch Zweifel kamen auf, ob ich den Rest der Tour bis Dubrovnik schaffen würde. Zum Glück konnte ich meinen Flug umbuchen – das stellte sich als goldrichtige Entscheidung heraus. Manchmal muss man einfach auf seinen Körper hören. Nach den Höhenmetern gönnte ich mir erst einmal einen Pausetag und ein ausgiebiges kroatisches Essen im Restaurant.

Die Spuren der Zeit

Frisch und motiviert machte ich mich schließlich in Richtung meines Ziels auf: Zadar. Das wiederum hieß ersteinmal wieder ein bisschen Strecke machen. Ich hielt mich an die Landstraße in südöstlicher Richtung. Gestern hatte es schon ein bisschen geregnet; das Wetter sah aktuell stabil aus, könnte sich aber schnell ändern.

Velebit - Nach Sveti Rok

Auf dieser Strecke wurde ich an die Vergangenheit erinnert: Während des Balkankrieges wurde das Gebiet stark vermint. Viele Minen wurden bereits durch Aufräumaktionen entfernt, doch ein gewisses Risiko bleibt. Am Eingang des Suchgebiets stand ein Monument in Form eines alten Truppentransportes. Hinter ein paar Häusern konnte ich alte Minenräumer russischer Bauart entdecken. Erst 30 Jahre ist es her, dass hier gekämpft wurde, aber die Erinnerung ist noch präsent. Immer wieder erinnerten mich Denkmäler und Gräber verschiedener Personen an die vergangenen Geschehnisse.

Velebit - Kresimir Denkmal

Bald erreichte ich Sveti Rok. Der Himmel wurde dunkler. Ich musste entscheiden: die Bergkette umgehen oder doch noch quer darüber fahren und das Risiko eines Gewitters eingehen. Und da ich ja ein Mountainbike fahre, blieb nur eine wirkliche Option. Höhenmeter sammeln. Ich spare mir das hier mal, man kennt es ja.

Velebit - Alter Bunker
Velebit - Tulove Grede
Velebit - Harsches Küstengebirge

Oben zeigte sich wieder eine andere Seite Kroatiens: die küstennahen Berge waren wunderschön, viel kahler und rauer als im Velebit‑Park. Der Wind nahm zu, die Aussicht war atemberaubend. Auf der Abfahrt fand ich eine kleine Kapelle und eine etwas größere Kirche – wirklich wunderschön. Wäre es später gewesen, hätte ich dort mein Zelt aufgeschlagen, doch viele Touristen verkehrten dort, sodass ich das Risiko nicht eingehen wollte. Stattdessen fuhr ich weiter hinab, bis ich in einem kleinen Wäldchen in Sichtweite eines verlassenen Hotels unterkam.

Velebit - Küstenblick 2
Velebit - Wiese

Die Stimmung, das Wetter und Ich

Der Abend verlief weitgehend ruhig, bis es leicht zu regnen begann. Ich war schon halb am Schlafen, als plötzlich die Schleusen des Himmels aufgingen. Es donnerte, blitzte und es wurde literweise Wasser über mein Zelt geschüttet. Da ich die Nähte erst neu versiegelt hatte, drang nur etwas Wasser ein – zum Glück. So ging es jedoch noch ein paar Stunden weiter. Am Morgen war die Horrornacht fast vergessen. Mein Körper jedoch war anderer Meinung. Ich wollte nicht richtig wach werden, und als ich aufstehen wollte, überkam mich ein starker Schwindel. Woran es lag, weiß ich nicht. Am Abend war ja noch alles okay. Ich schleppte mich hoch zur Straße und versuchte die letzten Meter zum Hotel zu rollen. Eine Weiterfahrt war so sicher nicht möglich. Im Hotel angekommen schaffte ich es gerade noch in mein Zimmer bis auch noch Fieber dazukam. Der Tag darauf sah auch nicht wirklich besser aus. Somit stellte das kleine Städtchen Obrovac das Ende meiner diesjährigen Kroatientour dar.

Velebit - Flughafen Zadar
Velebit - Obrovac

  • Mein Wasserfilter war sicher der unnötigste Gegenstand der ganzen Tour. Ja das Wassermanagement ist ein bisschen tricky, aber es gibt ausreichend Möglichkeiten nachzufüllen. In der Natur hingegen versickert das Wasser fast vollständig. Somit war der Filter wunderbares Trainingsgewicht. Auch meine Trinkblase kam dieses Mal nicht zum Einsatz.

Velebit - Passtraße nach oben

Hier war meine Kondition schon wieder zuende.

Velebit - Bikeübersicht

Gar nicht so viel dabei!

Velebit - Kapela 888

888 - Number of the Beast.

Velebit - Bergkette

Wow.

Velebit - Schafe im Sonnenuntergang

Wow nur mit Schafen.

Velebit - Dicke Wolken

Zum Glück ging alles an mir Vorbei.

Velebit - Gacka

Jap, da gehts wieder hoch.

Velebit - Riesenbaum

Wie hoch ist bitte dieser Baum?

Velebit - Pass Richtung Velebit

Jap, hier bin ich richtig.

Velebit - Krasno in der Abendsonne

Warme Sonner auf der Haut.

Velebit - Katze

Pspspsps.

Velebit - Schotterweg

Absolut krasse Steigungen hier.

Velebit - Berghütte

Der heilige Gral?

Velebit - Küstenblick

Endlich seh ich das auch mal.

Velebit - Hütte im Nationalpark

Gar nicht so wenig los hier.

Velebit - Quelle im Wald

Campen war leider verboten.

Velebit - Schöne Wiese

Auch den Rehen gefällt es hier.

Velebit - Nach Sveti Rok

Warm und gerade.

Velebit - Kresimir Denkmal

Das war unerwartet.

Velebit - Alter Bunker

Immer wieder verlassene Gebäude.

Velebit - Harsches Küstengebirge

So habe ich Kroatien in Erinnerung!

Velebit - Tulove Grede

Einfach mal anhalten und genießen.

Velebit - Kirche am Pass

Absolutes must See!

Velebit - Küstenblick 2

Langsam wird es windig!

Velebit - Wiese

Hier lebt es sich gut.

Velebit - Obrovac

Safe Haven.

Velebit - Flughafen Zadar

Und das wars auch schon wieder.