
Ausflug ins Jura - GTJ
655 km
10900 m
10 days
8/16/2020
Auf der Suche nach einer Bikepackingroute sollte es dieses Mal ins Ausland gehen. Bei den vielen Möglichkeiten kommt einem Frankreich nicht direkt in den Sinn. Das Juragebirge mit der Grande Traversée du Jura bietet schöne Landschaften, leckeres Essen und idyllische Momente. Und das alles von zuhause aus erreichbar! Trotz Corona und nur zwei Wochen Zeit ging es dann Mitte August los.
JuliusAnfahrt nach Frankreich
Am Sonntag brachen wir in Richtung Schwarzwald auf. Die Stimmung war gut, das Wetter bewölkt. Die Luft stand, und schon nach wenigen Minuten lief uns der Schweiß herunter. Egal – die ersten Hügel rückten näher, eine kleine Vorschau auf das, was uns in den kommenden Tagen erwarten sollte. Nach einer kurzen Pizzastärkung entschieden wir uns, die Nacht auf einem Campingplatz zu verbringen. Doch von Erholung konnte keine Rede sein: Der Himmel öffnete seine Schleusen, und mein Zelt hatte offensichtlich keine Lust, dicht zu halten. Bald bildete sich ein kleines Rinnsal IM Zelt. Ein vielversprechender Start.

Die ersten Höhenmeter
Nach dieser "erholsamen" Nacht bahnten wir uns unseren Weg weiter durch den Schwarzwald. Zunächst folgten wir langen Tälern, doch schon bald lag der erste Pass vor uns. Die ersten richtigen Höhenmeter der Tour. Oben angekommen, wurden wir mit Sonnenschein und einer rasanten Abfahrt ins Rheintal belohnt – der wohl letzte flache Abschnitt für eine ganze Weile. Wir nutzten die Gelegenheit für eine kurze Abkühlung im Rhein, bevor es weiterging.

Die kilometerlangen, geraden Straßen in Frankreich hatten eine fast hypnotische Wirkung. Leider verpassten wir eine entscheidende Abzweigung und landeten beinahe auf einer fünfspurigen Autobahn. Nach kurzer Diskussion entschieden wir, dass es uns doch etwas zu riskant war, und drehten um. Gehört eben dazu.
Obwohl der Tag schon weit fortgeschritten war, wollten wir noch ein paar Kilometer schaffen. Also fuhren wir weiter in die Dämmerung hinein und erreichten schließlich Mulhouse, wo wir die Nacht verbrachten.

Start der GTJ in Montbéliard
Nach einigen Kilometern entlang von Kanälen und durch malerische französische Städte begann endlich die eigentliche Route. Und natürlich mit einer Steigung – die 11 km bergauf mussten ja irgendwo herkommen. Doch mit jedem Höhenmeter wurden die Ausblicke besser, und langsam bekam ich eine Ahnung davon, was uns die nächsten Tage erwarten würde.

Das erste Mal richtig biwakieren
Die kommende Nacht sollte eine Premiere werden: Zum ersten Mal würde ich unter freiem Himmel biwakieren. Nicht ganz freiwillig – alle Unterkünfte hatten geschlossen. Also suchten wir uns einen halbwegs geschützten Platz und machten es uns bequem. Doch wirklich zur Ruhe kamen wir nicht. Mitten in der Nacht rollte ein Auto auf den nahe gelegenen Parkplatz. Hoffentlich steigen sie nicht aus...
Durch Flussbetten, Wälder und Kuhweiden
Am nächsten Tag gab es dann erstmal „Höhenmeter zum Frühstück“. Die Wege? Nun ja, die Definition des „Wegs“ war manchmal etwas spannend und erinnerte eher an ein Flussbett als an eine wirklich fahrbare Strecke. Aber gut, das gehört dazu.

Wir schlängelten uns durch kleine Waldpfade und über schmale Straßen. Dabei kamen wir auch immer wieder an Kuhweiden vorbei – jedes Mal ein kleiner Adrenalinschub, wenn wir die Kuhgatter durchquerten. Trotzdem ist es sehr nett, dass wir einfach durch diese ländlichen Gegenden fahren können und dürfen.

Der Fluss Doubs
Bald erreichten wir die Schweizer Grenze und den Fluss Doubs – ein beliebtes Ziel für Wassersportler. Das rauschende Wasser und die idyllische Umgebung schufen eine fast magische Atmosphäre. Wir verbrachten eine Weile auf der Schweizer Seite, bevor wir wieder nach Frankreich wechselten. Auf einer Ebene entlang des Flusses fuhren wir weiter bis zu den Échelles de la Mort und stiegen dann wieder aus dem Tal hinauf. Das Doubs-Tal war auf jeden Fall einen Besuch wert, und ich nahm mir vor, irgendwann noch einmal zurückzukehren.

Pontalier
So begleiteten wir den Fluss mehr oder weniger nah bis nach Pontarlier. Ein schönes, einzigartiges Städtchen. Zuerst gönnten wir uns einen Burger und tauschten uns mit gleichgesinnten Reisenden auf dem Campingplatz oberhalb der Stadt aus.

Mont d'Or und der Fahrradlift
Die Landschaft flachte vorerst etwas ab, und die Route bot immer wieder einen schönen Ausblick auf das Fort Mahler und das Château de Joux.


Wir fuhren weiter und irgendwann erreichten wir Métabief. Dort pausierten wir am Bikepark und schauten uns von unten die Downhiller an, die mit viel besseren und teureren Rädern unterwegs waren. Auch den Lift nahmen wir in Angriff. Nach etwas Diskussion packten wir unsere Bikes samt Gepäck quer in den Sessellift. Wir trauten dem zwar nicht ganz ohne Sicherung, aber für die Liftbetreiber war das kein Thema.



Oben angekommen, wurden wir mit einem tollen Ausblick in die Schweiz belohnt. Wir genossen noch etwas die Zeit, bevor wir uns – nach ein paar Versuchen, auf Französisch zu kommunizieren – zum Campingplatz in Mouthe aufmachten. Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass der Platz nicht wirklich geschlossen war – nur die Verwaltung war nach 18:30 nicht mehr vor Ort. Der Stress war also umsonst, aber wir hatten schließlich einen Schlafplatz.
Zwischenstopp in Mouthe
Der Pausetag diente dazu, etwas runterzukommen. In der Nacht hatte es etwas geregnet, das war aber okay. In Mouthe besichtigten wir die Quelle, an der der Doubs entspringt, dem wir die letzten Tage gefolgt sind. Das Wasser war überraschend kalt, was aber bei einer Quelle auch zu erwarten ist. Die Abkühlung und das Baguette aus dem Supermarkt verhalfen zu einem noch enspannterem, aber auch nötigen Pausetag.

Französisches Hinterland
Wir verließen wieder die Straßen und fuhren auf eine Hügelkette zwischen der Schweiz und Frankreich. Hier gab es wirklich nichts außer ein paar Menschen, die zur Kirche gingen, einige Kalkfelsen und zwei kleine Seen.
Wir genossen die Ruhe und ließen uns einfach treiben. Manchmal waren wir wirklich im "Niiiiichts". So zog sich unser Weg weiter südwärts – immer wieder durch das Tal und hinauf auf die nächste Hügelkette.



Die Alpen sind Nah
Die letzten Tage hatten uns ziemlich mitgenommen, aber die Belohnung kam in Form eines atemberaubenden Alpenausblicks unter wahnsinnig blauen Himmel.

Wir schliefen heute in einer urigen Berghütte. Zwar hatten wir nichts zu essen bestellt, doch schließlich verputzten wir den ganzen Käse, der noch übrig war. Die Holzbetten waren einfach, aber der erholsame Schlaf und die wohlverdiente Dusche machten alles wett.
Ziel: Der Grand Colombier
Frankreich zeigte sich am finalen Tag von seiner besten Seite – 40 Grad und Fliegen, die uns auf dem Weg zum Colombier verfolgten...

Der letzte Anstieg stand bevor. Die Route zog sich steil den Berg hinauf – „gefühlt wie eine Wand“, aber alles für die "Gains"! Zuerst war der Anstieg noch fahrbar, doch bald mussten wir das Fahrrad schieben, um weiterzukommen. Oben angekommen, bot sich uns ein unglaublicher Ausblick auf die gesamte Alpenkette und den Lac Bourget. Wir ließen den Moment bei einem Crêpe und einem Kaffee direkt auf dem Gipfel ausklingen – ein perfekter Abschluss. Wir hatten es geschafft!



Jetzt wartete nur noch eine entspannte Abfahrt. (Wir entschieden uns gegen die Downhill-Option – wenn dann mit weniger Gepäck, und eine Verletzung auf den letzten Metern musste jetzt nicht mehr sein.) Wochen später kam der Lockdown, besonders stark in dieser Region. Doch die schöne Erinnerung ließen wir uns nicht nehmen.


Rückblick
Ich würde die Route jederzeit wieder fahren! Die Landschaft hat so viel zu bieten, und sie ist schnell erreicht. Vielleicht das nächste Mal mit etwas weniger Gepäck, um die kurzen technischen Passagen besser bewältigen zu können. Und eines ist auch klar: Die Höhenmeter sind hier nicht zu unterschätzen, aber es lohnt sich – wie immer beim Bikepacken!
- GTJ à VTT - GTJ Association
- Jura Traverse - Bikepacking
- Es gibt auch einen Gedrucktes Guidebook. Manchmal hat es geholfen, ist aber nicht notwendig.

Ja, eindeutig Schwarzwald

Fahrradwäsche inklusive

Warum gibts hier alles nur im Maxipack?!

Fancy Bike!

Doubs Staumauer

Ach ja, die Weidentraversen...

Weg oder Flussbett?

Doubs kratzt ganz schön die Kurve!

Essen muss sein!

Burg mal von hier

Burg mal von da

Die Verrückten...

Ist es nicht Idyllisch hier?

Die Schweiz zum Greifen nah!

Das Wasser war wirklich kalt!

Von oben sieht es ganz unscheinbar aus.

Nicht nur Essen, auch Trinken gibt es hier.

Der Anfang vom Niiiiichts

Mehr vom Niiiiiichts

Und ein Dorf im Niiiiiichts

Jap, Alpen sind immer noch da

Ja das Foto musste sein!

So wie der Crepe auch

Endlich da!

Und noch alles da.

Nun zum wohlersehnten Abstieg.

Und nochmal ein letztes mal guggen.