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Alpe Adria - Coole Brücke

Alpe Adria Express

503 km

3200 m

4 days

9/27/2019

In diesem Bericht nehme ich dich mit auf meine Bikepackingreise von Salzburg nach Venedig. In 4 Tagen durchstreife ich die wunderschöne Alpenlandschaft von Österreich und Italien mit Abschnitten auf einer alten Bahntrasse. Kurz zuvor habe ich ein altes Trek 930 Singletrack komplett neu aufgebaut. Die Tour sah ich als willkommene Möglichkeit dieses auf Herz und Nieren zu testen. Los gehts.

Sommer 2019. Das Semester ist vorbei und der Sommer noch nicht allzu vollgeplant. In der Ecke das alte Trek 930 meines Vaters. Gravel war damals noch nicht wirklich ein Begriff, aber viele Radfahrer aus der Nische schworen auf traditionelle Stahlrahmen aka "Steel is real". Im Grunde erinnern Mountainbikes aus den 1990 eher an Rennräder mit breiten Reifen, als an Offroadmaschinen, wie wir sie heute gewohnt sind. Warum also nicht einen alten Rahmen nehmen und diesen mit modernen Komponenten bestücken. Gesagt und getan. So wurde das "TrekKing" zum Leben erwacht. Der gesamte Antrieb, die Räder, Sattel und Griffe wurden getauscht und einige Versiegelungen vorgenommen. Es ist immer noch ein Stahlrahmen. Die Sachen gepackt und in den Zug gestiegen, ging es dann Richtung Salzburg.

Tag 1 - Einfahren im Salzburger Land

Der erste Tag gestaltete sich Sonnig und entspannt. Nach meiner Ankunft in Salzburg machte ich mich schnell auf in Richtung Süden. Bald schon war ich links und rechts von Bergen umgeben. Ich genoss die Sonne und den geraden Weg entlang der Salzach. Teils wechselte sich der Weg mit kleinen Passagen über ein oder andere Landstraße. Während ich vor mich hinfuhr, traf ich auf einen weiteren Radler. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass dieser ein Redakteur für einen Reiseveranstalter ist. Er fuhr die Strecke für seine Redaktion ab. Wir tauschten einige Geschichten aus. Da er aber erheblich mehr Gepäck dabei hatte, trennten sich unsere Wege nach einer Weile. Umgeben von Bergen gönnte ich mir dann in Werfen erstmal eine Pizza. Die Zeitplanung für die Tour war relativ offen. Lediglich für heute Abend hatte ich mir eine Unterkunft über Warmshowers organisiert. Somit schlängelte ich mich weiterhin durchs Tal und bog vor Bischofshofen dann von der Route ab nach Flachau, um meine Unterkunft für den Abend zu erreichen. Auch dieses kleine Tal war sehr schön zu durchfahren, was mich die zusätzliche Steigung vergessen lies.Oben angekommen wurde ich durch ein gräsernes Tal begrüßt.

Alpe Adria Schluchtenfluss
Alpe Adria - Richtung Villach

Ich feierte den Abschluss mit einem Eis und einem kurzen Stopp im Supermarkt. Mein Gastgeber Jeffrey hatte jedoch tatsächlich für mich gekocht. Ich wurde warm begrüßt und hatte mein eigenes Zimmer zu Verfügung. Das war mehr als ich erwartet hatte. Da ich noch nie über Warmshowers eine Unterkunft gebucht hatte, waren mir einige Zweifel aufgekommen. Mit der warmen Begrüßung verflogen diese aber schnell.

Tag 2 - Die Einheimischen wissen es meist besser

Ausgeruht stehe ich am nächsten Tag auf. Jeffrey ist schon wach und kommen beim Frühstück in Gespräch. Jeffrey empfiehlt mir noch etwas zu warten und erst später wieder auf den Bock zu steigen. Ich konnte es allerdings nicht mehr abwarten weiterzufahren. Das stellte sich nun als schlechte Entscheidung heraus. Kaum 10 Minuten gefahren, öffneten sich im Himmel die Pforten und ich war in kürzester Zeit durchnässt. Dass die Autos mich knapp überholten und mehrfach eine Welle des Regenwassers über mich herfallen ließen, machte die Situation nicht besser. In Bischofshofen stoppte ich in einer kleinen Bäckerei. Nach kurzer Zeit bildete sich ein kleiner Teich um meinen Stuhl. Die Verkäuferin schien das nicht weiter zu interessieren. Vermutlich war sie froh jemanden im Geschäft zu haben. Das Wetter klarte auf und ich machte mich weiter meines Weges. Ich empfehle schon im Vorhinein zu überprüfen, wann die Züge fahren. Heute war das nur alle zwei Stunden. In Schwarzach schaffte ich es also gerade noch in den Zug zu steigen. Auf der anderen Seite angekommen, sah die Welt schon wieder anders aus. Den Rest vom Tag ging es weiter durch ein schönes Tal Richtung Villach. Eine willkommene Abwechslung zu den Strapazen des Morgens war eine Self-Service Bar. Dort machte ich Pause und gönnte mir ein Almdudler. Später am Tag machte ich es mir in der Jugendherberge in Villach gemütlich.

Alpe Adria Self Service Pausestation
Alpe Adria Villach

Tag 3 - Highlights in Italien

Der Morgen begann erneut mit interessanten Gesprächen zwischen mir und meinen Zimmerpartnern. Ein Reisender war ein Vertreter einer Eisenbahngesellschaft und berichtete mir Stolz über seine Reisepläne und die Eisenbahnverbindungen in Zentraleuropa. Ein weiterer Zimmerpartner war ein Lehrer aus Indien. Dieser war als Gast an einer lokalen Schule tätig und teilte seine Begeisterung für diese Möglichkeit. Als Abschiedgeschenk bekam ich noch eine Papierblume, welche den Rest meines Abenteuers an meinem Rucksack verbringen sollte.

Alpe Adria Papierblume

Am Morgen ging es am Fluss Gail weiter. Ein idyllisches Stück direkt im Flusstal machte einen wunderschönen Start in den dritten Tag. Auch das Wetter schien auf meiner Seite zu sein. Nach einigen Höhenmeter kam ich auch schon an der italienischen Grenze an. Hier sollte der beste Teil der Route beginnen.

Alpe Adria - Italienische Grenze

Kurz nach der Grenze zweigte ein Weg steil rechts nach oben ab. Und bald schon sieht man, was den Reiz dieser Route ausmacht. Der Radweg befindet sich auf einer alten Bahntrasse während die neue teils auf der anderen Seite des Tals errichtet wurde. Das heißt wiederum ein langer, gerader und asphaltierter Weg, welcher sich teils unter und über der anliegenden Straße bewegt. Aufgrund der geringen Steigungen kann man hier mit ordentlich Geschwindigkeit langbrettern. Oft sieht man an den seiten noch alte Überbleibsel der Bahngeschichte in Form von verlassenen Gebäuden und Anlagen. Ein paar dieser Häuser wurden in Cafes verwandelt. Einladend kann man also direkt an der Route etwas die Seele baumeln lassen. Meine absoluten Highlights dieser Route sind einerseits die Brücken, welche das Tal queren, als auch die Tunnel, durch welche man fährt. Das hat einfach einen ganz eigenen Flair.

Alpe Adria - Canyon
Alpe Adria - Der Weg
Alpe Adria - Coole Brücke

So lasse ich mich entlang der Route treiben und startete sogar ein kleines Rennen mit einer anderen Radgruppe. Zwar konnte ich eine Weile lang mithalten, allerdings musste ich mich irgendwann doch geschlagen geben. Irgendwann hörte die Bahntrasse jedoch auf, bzw. wurde noch nicht fertiggestellt, sodass man ein Stück auf die Landstraße ausweichen musste. Das Fluss öffnete sich zu einem riesigen Flusstal.

Alpe Adria - Flussbett

Abendliches Rennen

Mein ursprünglicher Plan bestand darin sich demnächst mit meinem Zelt niederzulassen. Das erste mal mit dem Rad im Ausland, allein und eingeschüchtert von allen "Privatgrundstück" Schildern, wollte ich dann doch in eine Unterkunft oder motivierte mich zumindest weiterzufahren. Meine Anrufe zu den im Guide eingetragenen Unterkünften in der Nähe waren vergebens. So fuhr ich immer weiter, auch wenn es bereits etwas dämmerte. In meinem Kopf habe ich schon damit abgeschlossen, in einem McDonalds etwas zu nächtigen. Nicht die beste Methode, aber sicherlich eine Option. Doch dann fand ich eine Unterkunft in Udine. Nun hieß es nur noch ankommen. Einziges Problem: Der Checkin schloss um 11 und es war bereits nach 9. Beflügelt von neuer Energie tritt ich nochmals in die Pedale. Nach und nach schwanden aber meine Kräfte und ich wurde immer müder. In einer lokalen Bar stoppte ich und orderte einen Espresso und ein Sandwich. "Wo soll es heute denn noch hingehen?" "Udine", sagte ich. "Du bist doch verrückt. Das ist mit dem Auto weit und es ist dunkel und du bist mit dem Fahrrad hier. Naja, viel Erfolg". Gestärkt fuhr ich weiter. Der Espresso zündete nochmal den Turbo. Mittlerweile war es schon stockdunkel und es wurde immer nebliger. Ich schob mich mit meiner Lampe durch die Nebelschwaden. Nur noch ein paar Kilometer. Auf einmal krachte es. Ich konnte gar nicht so schnell reagieren. Am Ende des Radwegs war eine Schranke angebracht. Aus Holz, braun angemalt und ohne Reflektoren. Na gut Glück die im Dunkeln zu sehen. Zum Glück war ich bereits langsam unterwegs. Noch eine letzte Hürde. Mit 150 km auf der Uhr kam ich noch rechtzeitig im B&B an und fiel in mein wohlverdientes Bett.

Tag 4 - Auf nach Jesolo

Der letzte Tag der Route ist im Gegensatz zum Vortag geradezu langweilig. Mein Weg führt mich durch Palmanova, einer Stadt in Sternform, welche als Fort und Utopie geplant war. Eine einzigartige Erscheinung und durchaus lohnenswert, wenn man schon da ist. Danach führte meine Route nicht weiter nach Grado, sondern in Richtung Venedig.

Alpe Adria - Auf dem Weg nach Venedig

Entlang Schotterwegen und begleitet von Küstenwind ging es Richtung Westen. Ein gelungener Ausklang für eine gelungene Tour. In Jesolo angekommen nahm ich den Bus zum Flughafen und stieg dort in den Flixbus nach München. Ich habe es tatsächlich in gerade einmal 4 Tagen geschafft.

Alpe Adria - Am Strand
Alpe Adria - Wieder zuhause

  • Der beste Teil ist sicherlich die Bahntrasse ab der italienischen Grenze.
  • Macht euch vorher schlau, wann und ob ein Zug kommt, damit ihr nicht in Bad Gastein strandet.

Alpe Adria Schluchtenfluss

Nett hier.

Alpe Adria - Richtung Villach

Endlich kein Regen mehr auf dieser Seite.

Alpe Adria Self Service Pausestation

Einladend für eine Erfrischung!

Alpe Adria Villach

Villach.

Alpe Adria Papierblume

Nette Geste.

Alpe Adria - Italienische Grenze

Italia!

Alpe Adria - Canyon

Ja, hier kann man durch/drüber fahren.

Alpe Adria - Coole Brücke

Unlogisches Foto, musste aber :D

Alpe Adria - Der Weg

Einige Bahnrelikte gibt es zu entdecken.

Alpe Adria - Flussbett

Wann ist das so groß geworden.

Alpe Adria - Auf dem Weg nach Venedig

Venedig ist nah

Alpe Adria - Am Strand

Und den Strang gefunden.

Alpe Adria - Wieder zuhause

Und schon auf dem Rückweg.