
Zwischen Erwartungsdruck und Entspannung
Letzes Wochenende ging es mal wieder auf Tour. Ein entspannter Overnighter. Route rausgesucht, Sachen gepackt und ab aufs Radel! Doch es lief nicht ganz so ab, wie ich es geplant hatte.
Heute kam ich erst spät los, was aber kein Problem ist. Hier im Norden ist es ja noch lang hell. Der Anfang der Tour ging auch noch gut von der Hand. Sonniges Wetter, ein leichter Wind. Perfektes Wetter für eine Wochenendtour. Angedacht waren 2 Tage je 80 km. Einfach entspannt raus, hat ja letztes mal auch gut funktioniert. Auch die zweite Stunde verging schnell. Doch langsam ermüdeten meine Beine immer mehr. Und mit den müden Beinen fingen auch die Gedanken an. "Wie können meine Beine jetzt schon so schlapp sein? Egal, erstmal weiterfahren." Doch schon bald wurde jede kleine Steigung immer mühsamer. Ich wollte es erst nicht einsehen. Was für eine Niederlage das wär jetzt schon "aufzugeben". Rückblickend ein absurder Gedanke. Es ist mein Abenteuer. Niemanden interessiert es wie weit ich fahre oder wie anstrengend die Tour ist. Ich bin hier um draußen zu sein, die Natur zu erleben, zu entspannen. Doch nagt es dennoch am Ego. Aber ist es nicht gerade das schöne am Bikepacken, dass man in seinem eigenen Tempo fahren, seiner eigenen Route folgen kann? So oder so musste ich einsehen, dass es für mich heute einfach nicht viel weiter ging. Nach 45 km suchte ich nach einer Alternative. Glücklicherweise gab es einen Kilometer die Straße hinauf einen weiteren Unterstand. Und natürlich waren Leute dort. Ein älterer Herr wollte sogar dort übernachten. Eigentlich habe ich da jetzt gar keine Lust drauf, aber weiter komme ich heute auch nicht. Nachdem ich mich gestärkt und für den Abend vorbereitet habe, kamen mein Mitbewohner und ich ins Gespräch. Am Lagerfeuer, welches er schon zuvor entfacht hatte, kam eine warme Stimmung auf. Wir hatten einige Geschichten zu teilen und gingen demnächst auch schon ins Bett. Das Schnarchen ließ mich fast kein Auge zudrücken, aber ich fand dennoch ein paar Stunden Schlaf. Am nächsten Morgen blieb ich noch eine Weile im Shelter. Der Morgen war sehr friedlich. Die angedachte Tour hatte noch über 100 km. Ich entschied mich stattdessen direkt wieder Richtung Heimat zu fahren. Das war im Nachhinein auch die wesentlich sinnvollere Entscheidung. Angestrengt, aber zufrieden kam ich nach weiteren 45 km wieder an meiner Wohnung an. Was für ein wunderbar genutztes Wochenende.
Doch waren all diese Gedanken es wirklich wert, dass ich zwischenzeitlich so an mir gezweifelt habe? Vermutlich nicht. Jedes Abenteuer ist individuell. Und wäre ich nie zu diesem Shelter gekommen, hätte die schönen Geschichten und Gespräche verpasst. Vielleicht sollte man sogar gerade deswegen nach links und rechts schauen, vom geplanten Weg abweichen, eine neue Richtung einschlagen, auf Menschen zugehen. Offen sein für alles was jemanden begegnet und einfach genießen, dass man draußen sein kann auf seinem Rad sitzt und dem schönsten Hobby der Welt nachgehen kann. Dem Radfahren.